COVID-19-Bericht aus der Mitte Amerikas

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COVID-19 ist nun endlich auch in Missouri, das im Mittleren Westen Amerikas liegt, angekommen. Fünf Menschen sind offiziell mit dem Virus, von dem viele dachten, er sei ein chinesisches or italienisches Problem, infiziert.

Die Reaktionen sind noch sehr unterschiedlich. Während das lokale Gesundheitsamt während einer brechend vollen Pressekonferenz verkündet, dass COVID-19 mit Sicherheit auch unsere 80.000-Seelen-Stadt heimsuchen wird und Vorbereitungen getroffen werden müssten, regt sich die generelle Bevölkerung über die Absage des St. Patrick’s Day Umzugs auf. Zum Glück verkünden prompt alle Kneipen, dass dieses Wochenende keiner allein trinken müsse. Auch ein beliebtes, dreitägiges Pancake Breakfast, bei dem insgesamt bis zu viertausend Besucher Schulter an Schulter Frühstück essen, trotzt den offiziellen Empfehlungen und geht munter weiter.

Misstrauen den Medien gegenüber und generelle Uninformiertheit helfen auch nicht, die Lage zu beruhigen. Meine Schwägerin schob heute Panik, als eine Mitbewohnerin chinesisches Takeout heimbrachte. Ob das denn sicher sei?

Donald Trumps Ansprache trägt auch nicht zum Sicherheitsgefühl bei. Von vielen Menschen höre ich, dass sie seine langsame Reaktion und anfängliches Herunterspielen der Lage durchaus bemerkt haben. Selbst mein Kollege, der am liebsten für Breitbart schreiben würde, gibt schweren Herzens zu, dass Trump die Situation “nicht so gut gehandhabt hat.”

Generell geht es in der Lokalzeitungs- und Fernsehredaktion, in der ich arbeite, drunter und drüber. Seit Tagen berichten alle Reporter nur noch über COVID-19. Wie reagiert der Stadtrat, welche Schulen schließen, wieviele Tests hat das Krankenhaus, was kann man noch unternehmen und wie wäscht man sich eigentlich richtig die Hände? Unsere Leser regen sich sofort über “unsere” Panikmache auf und geben uns die Schuld daran, dass Basketball abgesagt und Klopapier ausverkauft ist.

Im Gegensatz zu vielen anderen amerikanischen Arbeitsplätzen, haben (außer den Nachrichtensprechern und Sendeleitern) die meisten unserer Angestellten die Möglichkeit, von daheim aus zu arbeiten. Alle Reporter, Redakteure und Designer sind mit Laptops ausgestattet, die bereits alle nötigen Softwares installiert haben. Bezahlte Krankentage gibt’s trotzdem nicht. Auch wie sich Reporter, die mitsamt Kamera und Mikrofon draußen unterwegs sind und täglich mit vielen unterschiedlichen Menschen im Kontakt sind, verhalten sollen, ist noch nicht klar.

Mal sehen, wann COVID-19 auch hier ernstgenommen wird.

Published by J

I have too many cats.

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